Die Wahl des Content Management Systems gleicht ein wenig einem Hausbau - einmal eingezogen zieht man so schnell nicht wieder um. Kurz nach dem Einzug festzustellen, dass wichtige Funktionen fehlen, die dann nur noch schwer nachgerüstet werden können, oder dass die Größe für die Menge an Besuchern vorne und hinten nicht reicht, ist gelinde gesagt "ärgerlich". Damit Ihnen das nicht passiert, stellen wir in diesem Artikel die zwei beliebtesten Lösungen im Non-Profit-Umfeld gegenüber: WordPress vs. TYPO3 - welches CMS ist besser?

CMS ... was ist das überhaupt?

Ein Content Management System (CMS), im deutschen oft auch als Redaktionssystem bezeichnet, dient der Verwaltung von Inhalten in einem oder mehreren Online-Angeboten. Der Clou: Das System unterteilt das Angebot (Website, App oder Intranet) in drei logisch voneinander getrennte Ebenen: die grundlegende Programmierung, die Informationen zur Darstellung und den eigentlichen Inhalt. So können alle Ebenen unabhängig voneinander bearbeitet werden. Steht die Website einmal, können Redakteur*innen bequem neue Artikel anlegen, ohne sich mit dem Schreiben von Code herumplagen zu müssen oder Gefahr zu laufen, mit einem falschen Klick das Layoutkonzept wieder einzureißen.

Welche Arten von CMS gibt es?

Welches CMS am geeignetsten ist, hängt dabei immer vom Einsatzzweck ab. Es gibt sehr leistungsfähige, Enterprise-CMS (ECMS) genannte Systeme, die nahezu alle Wünsche an den Funktionsumfang abdecken, aber dafür meist aufwändig zu konfigurieren und daher in der Anschaffung teurer sind. Es gibt Systeme, die für einen bestimmten Anwendungsfall optimiert sind, aber dafür wenig flexibel, wenn davon abgewichen werden muss (z.B. Shop-Systeme, Lernplattformen oder Dokumentmanagement-Systeme). Es gibt kommerzielle lizenzkostenpflichtige Systeme sowie lizenzkostenfreie OpenSource Systeme, sowie Mischformen aus beidem. Grundsätzlich gilt: je genauer Sie wissen, wofür Sie das CMS nicht brauchen, desto einfacher können Sie es sich machen und desto günstiger wird es.

Marktanteil

Ringdiagramm mit Daten aus dem Text

"Marktanteil" WordPress vs TYPO3: Mehr Investitionssicherheit bietet Wordpress. Für große Websites im deutschsprachigen Raum bleibt TYPO3 aber ein gewichtiger Player.

WordPress wird bei 40% aller Websites (bei denen man ein CMS gefunden hat) eingesetzt, TYPO3 dagegen nur bei 0,5%. Diese Zahlen geben allerdings nicht wirklich einen "Marktanteil" wider. Da WordPress schnell installiert ist und sich seit jeher als Angebot für private und semi-professionelle Websites versteht, wiegt bei dieser Zählung von Websites ein verwaistes privates Blog mit einer einzelnen Seite genau so viel, wie der von einer Agentur professionell erstellte Auftritt einer Organisation mit über 1.000 Seiten Content. Hinzu kommt, dass auf einer Website häufig mehrere CMS zum Einsatz kommen.

Bei Builtwith kann man die Zählung auf die trafficstärksten Seiten einschränken - hierbei sinkt der Anteil von WordPress auf 20% unter den Top 100.000 und auf 13% unter den Top 10.000 - während der Anteil von TYPO3 mit zunehmendem Traffic steigt. Auch wenn der Anteil von TYPO3 dabei immer noch bei weniger als einem Zehntel der gefundenen WordPress Instanzen liegt: ohne kommerziell lizensierte CMS und Shopsysteme ist TYPO3 damit auch weltweit immerhin auf Rang 4 (nach Drupal und Joomla) und in Deutschland mit etwa halb so vielen Installationen wie WordPress sogar noch vor Drupal auf Rang 3. 

Sicherheit

WordPress vs. TYPO3 bei Sicherheitsvorfällen: TYPO ist hier der klare Favorit.

Wordpress ist das meistgehackte CMS der Welt: Im Jahr 2021 basierten 96% alles Websites, die Hackerangriffen zum Opfer fielen, auf WordPress. Zielten bei TYPO3 2017 noch 0,4% der erfolgreichen Hackangriffe auf das System ab, taucht das System in der Statistik inzwischen gar nicht mehr auf. Und das liegt nicht nur daran, dass bei WordPress viele private Blogs selten aktualisiert werden - die Hälfte der 2021 geknackten WordPress-Instanzen nutzten aktuelle Software - während bei TYPO3 ausschließlich veraltete Softwareversionen betroffen waren.

Das liegt sicherlich zum einen daran, dass TYPO3 als Enterprise Content Management System von Anfang an stets hohen Wert auf Sicherheit gelegt hat. Zum anderen sind bei TYPO3 viele Funtionen Bestandteil des CMS und müssen nicht als Plug-in hinzugefügt werden, was immer einen zusätzlichen Risikofaktor darstellt. Ehrlicherweise machen die meisten Hacker aber sicher auch deshalb einen großen Bogen um TYPO3, weil es sich aufgrund der relativ kleinen Anzahl an relativ professionellen Installationen für Hacker einfach nicht lohnt, sich in das System einzuarbeiten.

Wer mit WordPress arbeitet muss also das Sicherheitsthema relativ ernst nehmen, unsichere Plugins sofort abschalten und darf mit Updates nicht zu lange warten. Wer sensible Daten verwaltet und dennoch ruhig schlafen will, sollte sich dann doch besser für Sicherheit und Seltenheit entscheiden und auf TYPO3 setzen. 

Performance

Je größer die Anzahl der Plugins, mit denen man ein CMS aufrüstet, desto mehr leidet die Performance – die Website wird langsam, ruckelt, stürzt in den schlimmsten Fällen sogar ab. Die Tatsache, dass TYPO3 schon in seiner „Rohform“ sehr mächtig ist, macht es relativ stabil. TYPO3 bietet zudem ein recht ausgereiftes CMS-eigenes Caching (ein zuätzliches Kurzzeitgedächnis für häufig abgerufene Seiten). Letztlich muss man bei hohem Traffic bei TYPO3 genauso wie bei WordPress mit einem externen Caching (z.B. Varnish) oder einem Content-Delivery-Netzwerk (CDN) arbeiten. Nur muss man das bei WordPress-Seiten schon deutlich früher.

Mehrsprachigkeit

Zwei aufgeklappte Laptops mit Sprachmanagement WordPress vs. TYPO3

Links: WordPress mit dem WPML Plugin, übe das viele Einstellungen direkt vorgenommen werden können. Rechts: Das native Sprachmanagement in TYPO3 gibt Feedback, welche Content-Objekte nicht mehr synchron sind.

Während TYPO3 von Haus aus Mehrsprachigkeit unterstützt, muss bei Wordpress ein kostenpflichtiges Plugin nachgerüstet werden, z.B. mit WPML CMS (99 USD für 90.000 Übersetzungen). Der einmalige Kostenvorteil von TYPO3 ist hier zu vernachlässigen: Während man mit WPML alle wesentlichen Sprach-Einstellungen selbst vornehmen kann, braucht man zur Konfiguaration der Mehrsprachigkeit bei TYPO3 erstmal einen Techniker. TYPO3 bietet dafür wiederum ein wirklich ausgereiftes Überseztungsmanagement, das Veränderungen in der Originalsprache feststellt und auch die Anordnung von Content-Objekten auf Wunsch synchron hält. Bei Websites mit vielen laufend gepflegten Seiten in mehreren Sprachen dürfte TYPO3 damit deutlich im Vorteil sein.

Kosten

Bei den Installationskosten ist WordPress zunächst klar im Vorteil. WordPress bietet einen riesigen Fundus an fertigen Layouts (bei WordPress "Themes" genannt). Die können Sie einfach ausprobieren, günstig erwerben und mit ein paar Design-Anpassungen ein wenig individualiseren. Einen vergelichbar einfachen und kostengünstigen Einstieg bietet Ihnen TYPO leider nicht. TYPO3 benötigt alleine schon aufgrund des höheren Funktionsumfangs einen höheren Installationsaufwand und in der Regel technisches Know-How.

Je anspruchsvoller das Web-Projekt wird und je umfangreicher der Funktionsumfang, desto mehr kehrt sich der Nachteil des höheren Funktionsumfangs in einen Vorteil für TYPO3 um. Je mehr Plugins bei WordPress verbaut wurden, desto mehr Plugins stehen in Abhängigkeit zu einander, desto mehr steigt der Aufwand bei der Integration weiterer Funktionen. Der Installationsaufwand für TYPO3 liegt dadurch ab einem bestimmten Funktionsumfang unter dem von WordPress. 

WordPress vs. TYPO3? Auf kurz oder lang die richtige Wahl treffen!

Im Wesentlichen hängt die Wahl des richtigen CMS vom Projektziel ab. Eine Kampagnenwebsite hat nur eine kurze Laufzeit von ein bis zwei Jahren vor sich und kann direkt nach Projektende eingestellt werden. Hier müssen Sie sich nicht allzu viele Gedanken über die langfristige Wartung des Systems und etwaige Verknüpfungen mit externer Software machen. Beim Relaunch der Homepage einer komplexen Organsisationen (z.B. Verband, NGO, Partei oder Gewerkschaft) sind dagegen gerade diese Aspekte besonders entscheidend.

Daraus ergeben sich diese grundlegenden Empfehlungen:
  • Webseiten, die nur über eine geringe Menge an Content verfügen und kurze Projektlaufzeiten haben, können bequem in WordPress realisiert werden. 
  • Wenn Sie Spezialfunktionen wie Mehrsprachigkeit oder CRM-Schnittstellen benötigen, sollten Sie lieber zu TYPO3 greifen. 
  • Wenn Sie Wert auf erhöhte Sicherheit legen müssen, z.B. weil Sie mit sensiblen Daten arbeiten, schlafen Sie besser mit TYPO3
  • Bei einem kleinen Budget ist eigentlich nur eine Umsetzung in WordPress möglich.
  • Brauchen Sie viele verscheidene oder ganz spezielle Funktionen ist TYPO3 oft günstiger. Sollte eine Word-Press Umsetzung 25.000 EUR oder mehr kosten, prüfen Sie unbedingt, ob eine Realiserung mit TYPO3 nicht günstiger wäre. 
  • Wenn vor allem Hauptamtliche mit dem System arbeiten, ausreichend Budget vorhanden ist und die Anforderungen des Projektes eher auf TYPO3 deuten, nehmen Sie auch TYPO3. Erliegen Sie nicht der Versuchung, mit einer WordPress-Umsetzung beim Relaunch zu sparen. Sie riskieren höheren Kapazitätsbedarf beim Hosting, umständlichere Workflows beim Übersetzen, Stress mit Sicherheits- und Datenschutzproblemen. So hoch sind die einmaligen Einsparungen nicht, dass sie nicht schnell durch höheren laufenden Aufwand zunichte gemacht werden.
  • Ehrenamtliche dagegen tun sich dagegen mit WordPress leichter, da einige das System bereits kennen und die Bedienung für die anderen schnell erlernbar ist.