TikTok ist längst nicht mehr nur eine Plattform für Jugendliche, Instagram steht unter starkem Wettbewerbsdruck und Facebook wurde schon unzählige Male für tot erklärt – ist aber weiterhin relevant. Da die wenigsten überall präsent sein können stellen sich viele die Frage: Wo erzielen wir mit unseren Ressourcen die größte Wirkung? 

Für Non-Profits ist Social Media weit mehr als ein Marketingkanal: Es ist Werkzeug für Öffentlichkeitsarbeit, Mobilisierung, Fundraising, Bildungsarbeit und politische Einflussnahme. Gleichzeitig sind Zeit, Budget und Personal oft begrenzt. Umso wichtiger ist es, die richtigen Plattformen bewusst auszuwählen und strategisch zu nutzen. Dabei geht es neben der Erreichbarkeit bestimmter Zielgruppen und der Art von Inhalten zunehmend auch um politische Fragestelllungen: Spätetstens seit der Übernahme von Twitter durch Elon Musk ist die Präsenz in bestimmten Kanälen auch eine Frage von Haltung.

Instagram – Sichtbarkeit, Emotion und Community

Instagram gehört weiterhin zu den meistgenutzten Plattformen mit einem aktiven und breiten Publikum. Um mit TikTok mitzuhalten, pusht der Algorithmus vor allem Videocontent (Reels), ergänzt durch Karussell-Posts und Stories.

Für welche Non-Profit-Organisationen eignet sich Instagram?

Instagram ist besonders geeignet, wenn eure Arbeit visuell darstellbar ist und ihr komplexe Themen verständlich und emotional vermitteln könnt. Die Konkurrenz ist hoch – erfolgreiche Inhalte bieten Mehrwert und laden zum Teilen und Speichern ein. 

TikTok

Reichweite, Bildung und Aktivierung

Bei TikTok stellt sich inzwischen eher die Frage, wer hier nicht vertreten ist (ausgenommen Datenschutzkritiker*innen – aus Gründen). Die Zeiten der reinen Tanzvideos sind vorbei: Von Bildungsarbeit über Aktivismus bis hin zu politischen Debatten findet hier alles statt. TikTok ist für Non-Profits 2026 eine der wirkungsvollsten Plattformen, um junge Zielgruppen zu erreichen, Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Themen zu schaffen und niedrigschwellige Bildungsarbeit zu leisten. Der große Vorteil: Der Algorithmus ist content-getrieben. Jedes einzelne Video hat die Chance, viele Menschen zu erreichen – auch ohne große Follower-Zahl. Das macht TikTok besonders spannend für Kampagnen und Awareness-Arbeit.

Für welche Non-Profit-Organisationen eignet sich TikTok?

Für Non-Profits, die bereit sind, neue Formate auszuprobieren, Inhalte zu vereinfachen und authentisch aufzutreten. TikTok ist ein kreativer Spielplatz, der Mut belohnt – verlangt aber Authentizität und Fingerspitzengefühl.

Mastodon / Bluesky / Threads / X

Haltung, Diskurs und Expertise

Diese sogenannten Microblogging-Plattformen sind für Non-Profit-Organisationen besonders relevant, wenn es um politische Kommunikation, Einordnung und fachliche Positionierung geht. Die Reichweiten sind kleiner als auf Instagram oder TikTok, dafür ist der Austausch oft tiefer und direkter. 

Für welche Non-Profits eignen sich Mastodon, Bluesky, Threads & X?

Für Non-Profit-Organisationen, die Expert*innenwissen, politische Forderungen oder gesellschaftliche Analysen teilen und in den öffentlichen Diskurs eingreifen möchten. 

X / Twitter

Das von seinem neuen Eigentümer Elon Musk umbenannte Twitter ist der älteste Microblogging Dienst, der es trotz massiver Nutzer*innenabwanderung 2025 immer noch auf weltweit rund 560 Mio. monatliche Nutzer*innen bringt. Aufgrund des Wertekonfliktes (Hass und Desinformation werden nicht ausreichend begrenzt, systemische Polarisierung, Respektlosigkeit gegenüber Mitarbeitenden und Communities) gilt X außer in Kreisen der Neuen Rechten im Allgemeinen als toxische Umgebung. Wir empfehlen aktuell keiner Kund*in auf X (ehemals Twitter) zu agieren. War man dort bereits aktiv, gibt es verschiedene Optionen zum Umgang mit dem Content, hier einige Empfehlungen dazu aus 2024

Threads

Threads ist mit weltweit aktuell rund 400 Mio. monatlich aktiven Nutzer*innen die relevanteste X-Alterntative, bei den täglichen Nutzer*innenzahlen hat Threads Twitter in den USA angeblich sogar überholt. Bei Threads geht es etwas zivilisierter zu als bei X, dennoch ist man auch hier (wie bei Instagram und Facebook) auf dem Kanal eines Tech-Milliardärs unterwegs, nur dass der in diesem Fall Marc Zuckerberg heißt. 

Bluesky

Bluesky funktioniert sehr ähnlich wie Twitter, ist allerdings gemeinnützig aufgestellt. Die weltweite Community umfasste im November 2025 weitweit über 40 Mio Nutzer*innen. Bluesky ist theoretisch dezentral, faktisch sind die meisten aber auf dem zentralen bsky.social Server registriert. 

Mastodon

Die konsequenteste Differenzierung bietet Mastodon. Diese Open-Source Lösung setzt auf dezentrale Strukturen, deswegen ist Mastodon auch etwas weniger intuitiv bedienbar. Hier kann die Auswahl eines passenden Mastodon-Servers bereits ein politisches Statement sein. Die Community ist mit weltweit aktuell gut 10 Mio. Nutzer*innen die kleinste, in Deutschland sind die Nutzendenzahlen allerdings größer als die von Bluesky. Mastodon-User*innen sind zudem überdurchschnittlich aktiv. 

LinkedIn

Glaubwürdigkeit, Partnerschaften und Wirkungskommunikation

LinkedIn gewinnt für Non-Profits zunehmend an Bedeutung – insbesondere für Kooperationen, Fördermittel, Employer Branding und Wirkungskommunikation. Inhalte mit fachlicher Tiefe und persönlicher Perspektive erzielen hohe Interaktion. 

LinkedIn ist ein seriöseres Umfeld – das heißt nicht, dass Humor hier keinen Platz hat. Entscheidend sind Inhalt, Storytelling und Einblicke in eure Arbeit. Videos gewinnen auch hier weiter an Bedeutung.

Für welche Non-Profits eignet sich LinkedIn?

Wenn ihr Partner*innen, Fördergebende, Fachkräfte oder Ehrenamtliche ansprechen wollt und eure Wirkung transparent zeigen möchtet, ist LinkedIn ein wichtiger Kanal.

Facebook

Bestandscommunity und ältere Zielgruppen

Facebook spielt für viele Non-Profits weiterhin eine Rolle, insbesondere zur Pflege bestehender Communities oder für Zielgruppen über 40. Auch wenn Facebook nicht mehr wächst, ist sie noch immer eine der größten Plattformen. Die Nutzer*innen, die hier aktiv sind, sind geblieben, um zu bleiben, und interagieren weiterhin regelmäßig. 

Für welche Non-Profits eignet sich Facebook?

Habt ihr hier bereits eine aktive Community, solltet ihr sie nicht vernachlässigen und weiterhin mit guten Inhalten (relevant, interessant, passende Grafiken) beliefern. Wollt ihr gezielt ältere Unterstützer*innen, Spender*innen oder Ehrenamtliche erreichen, könnte dies auch noch immer eure Plattform sein.

YouTube

Tiefe, Sichtbarkeit und langfristige Wirkung

YouTube ist für Non-Profits kein kurzfristiger Reichweitenkanal, sondern eine Plattform für Tiefe, Einordnung und Nachhaltigkeit. Inhalte verschwinden hier nicht im Feed, sondern bleiben langfristig auffindbar – über Suche, Empfehlungen und externe Verlinkungen.

Für welche Non-Profits eignet sich YouTube?

Für Non-Profit-Organisationen eignet sich YouTube besonders für Erklärvideos, Hintergrundformate, Projekt-Dokumentationen oder längere Interviews. Auch Bildungs- und Aufklärungsarbeit lässt sich hier gut und vergleichsweise barrierearm umsetzen. Der Aufbau eines Kanals ist aufwendig, kann sich aber langfristig auszahlen – vor allem, wenn Inhalte mehrfach genutzt werden (Website, Newsletter, Social Media).

Wichtig: YouTube funktioniert nur mit Kontinuität. Einzelne Videos ohne klare Linie verpuffen schnell. Wer YouTube nutzt, sollte dies bewusst tun – mit realistischen Erwartungen.

WhatsApp, Snapchat, Twitch und Discord

Community statt Reichweite

Ob generationenübergreifend wie WhatsApp oder stärker auf junge Zielgruppen ausgerichtet wie Snapchat, Discord und Twitch: Hier gilt meist Push statt Pull. Menschen treten bewusst Kanälen, Gruppen oder Servern bei und erwarten relevante, persönliche Inhalte.

Wür welche Non-Profits eignen sich diese Kanäle?

Für NGOs mit einer bestehenden Community sind diese Plattformen besonders wertvoll. Unterstützer*innen, Ehrenamtliche oder Aktivist*innen, die euch hier folgen, lassen sich enger binden, schneller informieren und gezielter mobilisieren.

Gleichzeitig gilt: Neue Zielgruppen zu erreichen ist hier schwierig. Sichtbarkeit entsteht kaum zufällig. Wer wachsen möchte, muss gezielt arbeiten – etwa über Kooperationen mit Creator*innen, Influencer*innen oder durch bezahlte Werbung.

Diese Plattformen lohnen sich vor allem dann, wenn ihr bereits eine engagierte Community habt oder die Kapazitäten, langfristig einen festen Raum zum Austausch aufzubauen.

Fazit

Auf allen Plattformen gleichzeitig zu tanzen und eure Inhalte nur halbherzig auszuspielen, ist schon alleine aufgrund der hier dargestellten und nicht kleiner werdenden Vielfalt keine Option. Konzentriert euch besser auf maximal drei Kanäle und bespielt diese richtig. Das bedeutet: Passende Tonalität und Formate sowie aktives Community Management (Stichwort: Social). Behandelt Social Media dabei nicht als weiteren Werbekanal, sondern als eigene abgeschlossene Welt in der ihr auftretet.

Inwiefern ihr dabei Inhalte, die für einen bestimmten Kanal entwickelt wurden, auch in verwandten Kanälen mitnutzen könnt (z.B. Kurzbeiträge für Bluesky auch auf Mastodon oder Reels für TikTok auch auf Insta) und welche Rolle hierbei geeignete Cross-Posting Dienste spielen, ist ein komplexes Thema für einen weiteren Artikel. 

Letzter Tipp

Niemand wartet auf eure Inhalte – aber gute Inhalte finden ihr Publikum. Denkt euch daher konsequent in eure Zielgruppen hinein. Gestaltet eure Posts so, dass sie echten Mehrwert bieten – zum Informieren, Mitmachen oder Weiterteilen. Alles, was zum Speichern, Kommentieren oder Teilen anregt, verstärkt eure Sichtbarkeit.

Wir beraten dazu gerne!