Wofür dieses Projekt?

Wir sind unzufrieden mit dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Was genau wir kritisieren, wurde in diesem Blogpost ausgeführt. Zwar gibt es bessere Alternativen zum Wahl-O-Mat, doch die meisten kopieren zumindest einen Teil der kritisierten Fehler. Sie sind auch keine Alternative, solange nahezu alle großen Medien ausschließlich den Wahl-O-Mat bewerben. Wir wollen daher vor allem erreichen, dass die Bundeszentrale ihr Angebot ernster nimmt und sich besseren Lösungen öffnet.

Wofür eine neue Wahlempfehlungslösung?

Unser Wahltest ist nicht neu. Er wurde zum ersten Mal 2001 für den heutigen rbb zur Begleitung der Berliner Abgeordnetenhauswahl entwickelt und ist damit sogar ein Jahr älter als der Wahl-O-Mat. Unsere weiteren Auftraggeber waren zunächst Medien, die aber zunehmend keine Perspektive darin sahen, mit einem eigenen Format in Konkurrenz mit dem immer populärer werdenden Wahl-O-Mat zu treten. Zuletzt wurde der Wahltest nur noch von Verbänden als Tool für interaktive Wahprüfsteine verwendet. Wir finden das schade, weil wir den Wahltest für die bessere Lösung halten. Daher haben wir ihn 2019 mit einem neuen Interface "wiederbelebt".

Warum werden nicht alle Parteien zur Auswahl angeboten?

Wir werden von niemandem finanziell unterstützt und können daher nur begrenzt Energie in das Projekt stecken. Uns geht es darum, die Unterschiede zum Wahl-O-Mat der Bundezentrale für politische Bildung herauszustellen. Dafür reicht eine kleinere Auswahl an Parteien, da im Wahl-O-Mat auch nicht alle Parteien gleichzeitig ausgewählt werden können. Wir haben dazu im ersten Schritt die sechs im Bundestag vertretenen Fraktionen ausgewählt. Sofern unser Projekt auf breites Interesse stößt, würden wir in einem zweiten Schritt weitere Parteien ergänzen, die laut aktuellen Umfragen Aussicht auf eine Wahlkampfkostenerstattung haben.

Wer hat die Fragen ausgewählt?

Die Fragen beim Wahltest werden von einem Team von Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern zusammengestellt. Bei der Auwahl der Themen orientierten wir uns an den Ergebnissen von Umfragen zu den wichtigsten Wahlthemen (z.B. mit der Umfrage "Wichtige Probleme in Deutschland" der Forschungsgruppe Wahlen beim Wahltest DE-2021). Zu diesen werden im nächsten Schritt die Wahlprogramme auf konkrete und unterscheidbare Aussagen untersucht. Bevorzugt werden Vorschläge, zu denen sich alle oder fast alle Parteien in den Wahlprogrammen äußern. Fehlende Aussagen in den Programmen werden ggf. ergänzt durch Aussagen aus Gesetzesvorschlägen, Parteitagsbeschlüssen oder eindeutigen medialen Positionierungen von Spitzenpersonal der relevanten politischen Ebene oder entsprechenden Dokumenten anderer politischer Ebenen (in dieser Reiehnfolge). Vorschläge einzelner Parteien nehmen wir nur dann auf, wenn diese bereits relevantes mediales Echo in Leitmedien erhalten haben (z.B. der Austritt aus der EU beim Wahltest DE-2021). Wo abstrakte Vorschläge bereits von anerkannten Forschungsinstituten auf ihre konkrete Wirkung unstersucht wurden, arbeiten wir auch mit diesen Ergebnissen (z.B. beim Thema Steuern für Reiche beim Wahltest DE-2021).

Beim Wahltest EU-2019 wurden die Fragen von der Bundeszentrale für politische Bildung für den Wahl-O-Mat formuliert. Die Antworten haben wir von den Antworten der Parteien im Wahl-O-Mat übernommen und ggf. durch Aussagen aus den Wahlprogrammen ergänzt. Wir haben die Fragen so übernommen, damit die Ergebnisse des Wahltest mit denen des Wahl-O-Mat vergleichbar werden. 

Beim Wahcheck DE-2013 wurden die Fragen von mit unserem damaligen Auftraggeber verbraucherzentrale Bundesverband formuliert, diese sollten Verbrauchern als interaktive Wahlprüfsteine dienen, das Angebot verfolgte nicht den Anspruch einer umfassenden Programmanalyse.

Beim Wahcheck DE-2009 wurden die Fragen von mit unserem damaligen Auftraggeber ver.di und NGG formuliert, diese sollten deren Mitgliedern als interaktive Wahlprüfsteine dienen, das Angebot verfolgte nicht den Anspruch einer umfassenden Programmanalyse.

Welche Qualitätsstandards erfüllt der Wahltest?

Der Wahltest erfüllt alle Anforderungen der Lausanne Declaration on Voting Advice Applications, die Einschränkung der Parteien ist praktisch begründet und erfolgt aufgrund transparenter Kriterien. Mit der Bindung an demoskopische Daten im Sinne einer höchstmöglichen Transparenz bei der Themenauswahl geht der Wahltest zudem über diese Anforderungen hinaus. 

Habt ihr euch das alles alleine ausgedacht?

Ehre, wem Ehre gebührt: Inspiration für Idee eines anonymisierten Vergleichs von Parteiprogrammen war ein Radiobericht über ein Projekt der Universität Passau in den späten 90er Jahren, unsere Idee war, daraus eine Software zu machen. Und danke für die Visualisierung der ausklappbaren Balken in der Auswertung, die wir ähnlich wie beim Voteswiper umgesetzt haben (um so auch mobil unbegrenzt viele Parteien auswerten zu können).