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CO2-Footprint-Rechner

Teil 2

Restlos begeistert waren wir nicht, als wir vor einigen Wochen diverse CO2-Footprint-Rechner unter die Lupe genommen haben. Unübersichtliche Listen, träge Animationen oder nervige Maskottchen – wenige Rechner machen Lust, den eigenen Lebensstil umweltfreundlicher zu gestalten. Auf den Plätzen 4 bis 2 haben wir schon ein paar kompetente Tools vorgestellt. Besser macht’s allerdings Nummer 1:

 

#1 WWF UK

Screenshot des CO2 Rechners vom WWF UK

Der beste Rechner kommt aus dem vereinigten Königreich. Mit modernem Look und einer guten Usability macht die Beantwortung der einfachen Fragen richtig Spaß. Man muss nie länger nachdenken und soll aus maximal 5 Antworten eine auswählen - ausgezeichnet.
Am Ende wird aufgezeigt, wie viele Erden die Menschheit verbrauchen würde, wenn jeder so lebte, wie man selbst. Auch hier gibt es danach wieder ein weiterführendes System, bei dem man sich anmelden kann um weitere personalisierte Tipps zu bekommen. Ein echtes Belohnungssystem hält bei der Stange und man kann die Erfolge sogar auf Facebook teilen, um der Welt zu zeigen: Ich bin ein Erdenretter.

Modern, schlicht, motivierend – der WWF-Rechner macht vieles richtig, dafür gibt’s Platz 1.

 

Was sagt uns das?

Heißt das jetzt, dass wir mit unserer Nr. 1 komplett zufrieden sind und der WWF doch bitte nur schnell eine deutsche Version nachliefern sollte? Nein, nicht wirklich. Die meisten CO2-Footprint-Rechner versagen, wenn es darum geht, User für das Thema zu begeistern.

Die Top-4 Liste ist also schon mal mild interessant. Wir haben im Laufe des Tests bereits ein ziemlich schlechtes Umweltgewissen bekommen, aber es geht noch besser. Deshalb hier ein paar Vorschläge für einen Rechner, der wirklich Laune macht:

 

1. Apps!

Eine App-Weiterführung wäre wirklich wichtig. Denn das Belohnungssystem der Erst- und Zweitplatzierten motiviert. Allerdings ist bei einer Internetseite die Nutzerbindung sehr gering. Apps begleiten einen auf dem Smartphone und sollten hin und wieder daran erinnern, dass man sich Aufgaben verpflichtet hat. Tägliche Aufgabenstellungen wären hier sinnvoll, bei deren Erfüllung kleine Achievements auftauchen, die einem ein positives und motivierendes Gefühl schenken.
Beispiel: „Achte bei Verlassen des Hauses darauf, dass alle Fenster geschlossen und alle Lichter aus sind". Dann sollte am Abend beim Heimkommen eine Erfolgsmeldung erscheinen: „Du Sparlampe! - CO2 um 150 Kilo/Jahr reduziert“.

Regelmäßig auftauchende Erfolge helfen somit immer wieder, indirekt Verhaltensmuster zu etablieren und zu festigen. Über eine Anbindung an Social-Media-Plattformen und das Teilen der Erfolge kann nachgedacht werden.

 

2. Usability gewinnt

Viele Footprintrechner sind ultrakomplex und verarbeiten eine Menge an Daten, können aber den User nicht überzeugen. Eine errechnete Zahl, die Usern nicht weiterhilft, ist kein sinnvolles und erfolgreiches Ergebnis. Vielmehr sollte eine Bindung zu den Nutzenden hergestellt werden, die sie auch über die Rechnerei hinaus zum CO2-Sparen ermutigt und unterstützt.
Deshalb müssen gerade diejenigen „abgeholt“ werden, die hinsichtlich ihres CO2-Ausstoßes so gut wie gar nichts unternehmen. Es gilt jenen schnell und einfach zu Erfolgen zu verhelfen, die sich nicht täglich mit dem Thema Umweltschutz beschäftigen, um langfristig ein Fundament zum Handeln zu bilden.
Das kann nur mit knappen Fragen, wenigen Antwortmöglichkeiten und einem flüssigen Design gelingen. Langes Warten und hakelige Animationen, die nicht abgebrochen werden können, nerven und verschrecken die User.

Eine Website, die eine Brücke zur App bilden soll, muss Spaß bei der Benutzung machen. Beispielsweise könnte eine interessant gestaltete parallax-scrolling Seite nebenbei eine Geschichte erzählen, oder Zusammenhänge zu den beantworteten Fragen verdeutlichen. Zwei gute Beispiele:
http://makeyourmoneymatter.org/
https://youtube10.withgoogle.com/

 

3. Mehr Datenschutz und Privatsphäre

Plätze 1 und 2 des Rankings bieten die Möglichkeit der Anmeldung über Social-Media. Das senkt zwar die Einstiegshürde, es muss aber auch möglich sein, einen Account ohne größere Zugriffe auf persönliche Informationen zu erstellen. Eine App bräuchte theoretisch nur wenige Rechte, um interessantes und passendes Feedback geben zu können. Eine technische Fragestellung ergibt sich für die Nutzung von GPS-Daten: Möglich wäre die automatische Erkennung von zurückgelegter Strecke und benutztem Transportmittel – hier wäre im wahrsten Sinne des Wortes ein CO2-Footprint darstellbar. Eine Datenspeicherung und Auswertung sollte jedoch im Sinne des Datenschutzes nur lokal, also auf dem Gerät selbst erfolgen. Die absolute CO2-Menge und Streckenlänge können dann auf dem Server gespeichert und synchronisiert werden, falls dies notwendig ist. So fallen konkrete Standortdaten nicht in die Hände von Dritten.

 

4. Das Gruppengefühl

Auf nervige Maskottchen, die irgendwie für eine Umweltproblematik stehen oder als Helfer fungieren, sollte verzichtet werden. Stattdessen muss den Usern das Gefühl gegeben werden, Teil einer Gemeinschaft und Bewegung zu sein. Ein Maskottchen schafft zwar eine Freundschaft zwischen den Nutzenden und der Anwendung, baut aber gerade durch die Ansprache „Du“ eine Distanz auf. Niemand will belehrt werden. Sprachlich sollte deshalb mit einem „wir“ gearbeitet werden. Auch die Bilder und die Zahlen, sollten ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit und des Pionier-Daseins wecken.

Es gibt also noch viel zu tun. Der klare Favorit unter den Footprint-Rechnern muss erst noch gebaut werden. Vielleicht ja von einer kleinen Berliner Agentur...

 

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